Deutsche Wahl. Das große Zittern. Erleidet Angela Merkel ein Wolfgang Schüssel-Schicksal?

Deutsche Bundestagswahl. Die große Zitterpartie – für Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frank Walter Steinmeier (SPD). Für Guido Westerwelle (FDP), die Grünen und für Oskar Lafontaine’s „Linke“.

Nichts ist in Deutschland derzeit entschieden. Alle haben blanke Angst vor den Zahlen.

Bloss einige mutige Autoren sehen die Causa gänzlich anders: „Die Wähler dürfen wählen, aber Angela Merkel bleibt ohnehin Kanzlerin“, schreibt etwa Robert Misik im österreichischen “Standard”.

Woher weiss Robert Misik das? Verfügt er gar über Geheim-Analysen, die alle anderen nicht kennen?

Misik weiss es natürlich nicht. Er wünscht sich das halt: „Play it again, Angie!“, titelt er.

Angela Merkel könnte aber – und daran haben Angie-Fans bisher nicht gedacht – ein Wolfgang Schüssel (ÖVP) Schicksal erleiden. Der österreichische Ex-Kanzler galt bei der Nationalratswahl 2006 als haushoher Favorit.

Er hatte den Kanzler-Bonus, fühlte sich stark, glaubte, „der Beste für Österreich“ zu sein. Schüssel stürzte fürchterlich ab. Verlor acht Prozent.

Glücksgeschockter Sieger wurde damals ein gewisser Alfred Gusenbauer (SPÖ), ein biederer, meist mürrischer Parteisoldat. Bemüht, nicht mehr. Gusenbauer hatte Schüssel „soziale Kälte“ vorgeworfen. Das reichte.

Ähnlich sieht es derzeit mit Angela Merkel aus.

Die Frau scheint souverän. Hunderte Fragen werden mit gestochen scharfen Antworten weggewischt. Stehgreif. Elegant. Beeindruckend.

Aber – wo bleibt das Herz, die Seele, das Gefühl?

Auf den Plakaten ihrer Partei besticht Angela Merkel allein durch ein sphinkhaftes Lächeln. Merkel –Kanzlerin. Die einzige Aussage. Soziale Gerechtigkeit ist nur ein Nebenthema.

Auch das erinnert an Schüssel.

Die Österreicher haben es 2006 gewagt, Schüssels überheblichen „mir-san-mir“-Wahlkampf gnadenlos abzustrafen. Bis heute kann der österreichische Alt-Kanzler das nicht verstehen, doch das Wahlergebnis war kein Resultat einer undankbaren, irrläufernden Wählerschaft.

Es war einfach ein Fehler, den gesamten Wahlkampf nur auf die Kraft des Spitzenkandidaten auszurichten.

Könnte Angela Merkel und ihrem Wahlkampfteam ein ähnlicher Fehler unterlaufen sein?

Es ist denkbar.

Zwar ist die SPD derzeit in einem weit schlechteren Zustand, als es die SPÖ 2006 gewesen ist. Auch liegt Merkel (34%) noch immer deutlich vor Steinmeier (max. 27%).

Aber – die Nerven im bürgerlichen Lager liegen längst blank. Für Schwarz-Gelb ist in den letzten Tagen vor allem EIN Trend sichtbar geworden: Es geht nicht voran, die Mehrheit wird immer dünner! Im Frühjahr lag die FDP noch bei 17 Prozent. Nun sind die Liberalen wieder abgerutscht – zuletzt lagen sie im Deutschlandtrend bei 14 Prozent, Forsa ermittelte für den „Stern“ gar nur zwölf Prozent! Die SPD erhält demnach 24, die Linkspartei 11 sowie die Grünen 12 Prozent.

Das bürgerliche Lager wackelt und schmilzt, SPD und Linke jubeln. Doch können sie auch richtig zünden?

Zumindest hat die bereits abgeschriebene SPD auf den letzten Metern mächtig Boden gut macht. Ausserdem ist etwa jeder vierte Wahlberechtigte immer noch unschlüssig, welche Partei er wählen soll. Damit ist der Wahlausgang in Deutschland komplett offen.

Sep. 05, 1500 // 12:53 | Comments (0)