Barack Obama erhält den Friedensnobelpreis. Wir sagen "wow", und hoffen, dass das eine gute Entscheidung war.

Reicht es, gute Absichten zu haben? Manchmal schon, wie das Beispiel des US-Präsidenten zeigt, der gerade mal neun Monate im Amt ist und schon den Friedensnobelpreis zugesprochen bekommen hat. Die ganze Welt reagierte mit: „Wow – ein Witz, oder?“ Selbst Barack Obama zeigte sich überrascht und bass erstaunt und „voller Demut“über diese Wahl: „Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich den Preis nicht verdient“, sagte er in einer ersten Reaktion: „Ich glaube nicht, dass ich es verdiene, mich in der Gruppe vergangener Nobelpreisträger zu befinden, die so viel erreicht haben und meine Vorbilder sind".

Er verstehe den Preis nicht als Anerkennung für seine bisherigen Erfolge. Doch es reflektiere den Wunsch vieler Menschen nach einer anderen Welt. Er betrachte den Preis in diesem Sinne als eine Herausforderung und Aufforderung zum Handeln: „In diesem Sinne werde ich die Ehrung annehmen und den Preis persönlich in Oslo entgegennehmen“, sagte Obama.

Warum diese Wahl?

Es war eine überraschende und populäre Entscheidung, die das Nobelpreis-Komitee getroffen hat. Thorbjörn Jagland, Vorsitzender des Komitees, erklärt das so: „Alles, was in der Welt seit Obamas Amtsantritt geschehen ist, und wie das internationale Klima sich geändert hat, ist mehr als genug, um zu sagen, dass er das erfüllt, was in Alfred Nobels Testament steht. Nämlich, dass der Preis an denjenigen gehen soll, der im vorausgegangenen Jahr am meisten für internationale Verbrüderung und Abrüstung sowie die Förderung von Kooperation und Dialog getan hat.“

Nur neuen Monate

Mit Blick auf die noch kurze Präsidentschaft Obamas meinte Jagland: „Wenn man die Geschichte des Nobelpreises anschaut, dann haben wir bei vielen Gelegenheiten versucht, das zu stärken und zu fördern, was bestimmte Persönlichkeiten gerade durchzuführen versuchten. Zum Beispiel, als Willy Brandt den Preis 1971 bekam, hatte gerade seine Ostpolitik in Europa gestartet, die so wichtig war für das, was dann viele Jahre später geschehen ist. Oder die Vergabe 1990 an Michail Gorbatschow, der die Welt komplett verändert hat.“

Zu dem Vorwurf, das Komitee habe eine „populistische Entscheidung“ getroffen, meinte Jagland: „Wer das meint, der soll sich die Realitäten in der Welt vor Augen führen. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.“

Wahrscheinlich hat Jagland Recht. Obama hat – im Sinne Alfred Nobels – tatsächlich VIELES angestossen, manches bereits verändert.

Druck auf Obama.

Ob der Preis Obama beim Erreichen seiner wichtigen und richtigen politischen Ziele allerdings helfen kann, darf bezweifelt werden. Zwangsläufig wird der US-Präsident bereits in naher Zukunft mit Waffengewalt drohen müssen, um Despoten zur Vernunft zu zwingen. Selbstverständlich kann auch Obama nicht jene Politik des Gleichgewichts des Schreckens über Bord werfen, auf der die internationale Staatengemeinschaft aufgebaut ist.

Amerika hat derzeit weltweit in 139 Staaten 230.000 Soldaten stationiert, 30.000 Mann sind ständig auf Schlachtschiffen auf allen Weltmeeren unterwegs, die imperialen Flügel der US-Administration sind überall.

Auch ein Friedensnobelpreistäger wird diese Infrastruktur der Gewalt nicht blitzartig abbauen können. Es geht schlicht nicht, die Welt würde auch nicht besser dadurch. Der Bosnienkrieg wurde beendet, weil die Amerikaner militärisch eingriffen haben. Der Terror in Afghanistan konnte eingedämmt werden, weil die Amerikaner Flagge gezeigt haben – militärisch.

Doch was passiert jetzt?

Umarmen wir uns jetzt alle? Es würde schon reichen, könnte Obama zumindest das völkerrechtlich mehr als umstrittene Gefangenenlager Guantanamo abbauen, doch selbst da gibt es Schwierigkeiten, die Macht des US-Präsidenten ist beschränkt.

Amerika war immer eine Wiege der Demokratie. Ein Imperium, das zwar mit seinem wachsenden Einfluss seine demokratischen Grundwerte und Überzeugungen immer öfter über Bord geworfen hat, im Grunde aber ein stets ausrechenbarer, transatlantischer Partner geblieben ist. Amerika war und ist stark und das ist gut so.

Ich hoffe bloss, dass der Friedensnobelpreis den US-Präsidenten nicht schwach macht. Die Welt braucht entschlossenes Handeln.

Oct. 09, 2009 // 21:07 | Comments (0)