Hat BP im Golf von Mexiko die Hölle angebohrt? Ja!
Was jetzt?
Nach dem Scheitern der Operation „Top Kill“ des Ölkonzerns BP ist für die Amerikaner und Barack Obama die letzte Hoffnung erloschen, das Monsterloch am Meeresgrund rasch zu stopfen.
Hat BP die Hölle angebohrt? Ich denke – ja!
Kürzlich habe ich nachgelesen, wie „Deepwater Horizon“ Chef-Techniker Mike Williams die gewaltige Explosion erlebte, die zum Sinken der Ölplattform führte.
Es ist ein dramatisches Protokoll, das CBS-News uns da lieferte und BILD.de nachdruckte.
Zum Zeitpunkt der Explosion war Williams gerade in einem Workshop, „als plötzlich die Motoren der Bohrinsel aufheulten“, sagte er.„Genau in diesem Moment schoss aus 10 000 Metern Tiefe das Erdgas aus dem Bohrloch über die Verbindungsleitungen in die Generatoren“, erklärte Williams. „Die Motoren liefen auf Hochtouren, das Licht im Raum begann zu flackern.“
Dann drang ohrenbetäubender Lärm aus den Lautsprechern: „Beep, beep, beep, beep.“ Probealarm? „Nein, ich wusste, dass gleich etwas Schlimmes passieren würde.” Denn nicht wie üblich verstummten die Sirenen – diesmal war es ernst, sagte Williams.
„Noch immer heulten die Motoren, dann wurde es von einer Sekunde zur anderen ganz hell im Raum. Es schien, als würden die Lampen explodieren“, schildert der Techniker. „Ich war gerade losgelaufen, um mich an Deck in Sicherheit zubringen, da explodierte der Monitor auf meinem Tisch.“
Williams lief weiter, konnte sich bis an das Deck der Bohrinsel vorkämpfen. Dort schlug ihm Feuer entgegen! Er lief an den Rand der Öl-Plattform und sprang... Williams fiel mehr als 30 Meter tief, mit den Füßen voran. Nach einigen Sekunden landete er in einem Gemisch aus Öl und Wasser. „Alles tat weh, die Haut brannte vor Schmerz“, sagte er. Dann sah Williams, dass das Öl auf dem Meer brannte, er dachte: „Warum bist du nur gesprungen? Du warst trocken, jetzt schwimmst du im Öl. Du musst einfach schwimmen. Ich schwamm, bis ich den Schmerz nicht mehr spürte.“
Der Chef-Techniker hatte Glück, er wurde gerettet und überlebte wie 114 weitere Menschen die Katastrophe auf der Bohrinsel – aber elf seiner Kollegen starben in der Flammen-Hölle.
Das Ganze geschah am 20.April 2010. An diesem Tag hat BP die Hölle angebohrt! Und – US-Präsident Barack Obama endgültig den Messias-Mythos geraubt.
Obama hat in seiner politischen Verantwortung die fahrlässig verursachte Umweltkatastrophe eines Ölkonzerns auszubaden, dessen in den vergangenen Jahren dick aufgetragener grüner Anstrich sich zusehends als Tarnfarbe entpuppt.
BP und all die anderen Ölkonzerne stehen unter mächtigem Druck. Die Ressource Öl wird immer knapper. Die leicht zugänglichen Quellen sind leergepumpt. Deshalb riskieren skrupellose Manager die Förderung unter verantwortungslosen Bedingungen, wie es hier der Fall war.
BP hat 1500 Meter unter dem Meeresspiegel 10.000 Meter tief gebohrt. Öl unter diesen Umständen zu fördern ist schlichter Wahnsinn. Einfach nicht kontrollierbar. Das haben alle gewusst, auch die Behörden. Trotzdem setzen alle noch immer auf die Erforschung irrwitziger Explorationstechnik auslaufender Energieträger.
Obama verströmt nun Weltuntergangsgetöse. Trotzdem lässt er es zu, dass im Golf von Mexiko weitere 3858 Ölplattformen herumschwimmen. Die „Deepwater Horizon“ war bloss eine der kleineren Ungetüme. Weshalb diskutiert keiner die Schließung der restlichen Monster?
Weil 40 Prozent der Spirtversorgung Amerikas aus dieser Region kommen?
BP-Chef Tony Hayward äußerte sich „enttäuscht“ über das Scheitern des Versuchs zu stopfen. Enttäuscht? Hayward und seine Crew sind die Menschen, die unsere Welt versauen! Jetzt ist der gute Mann enttäuscht. Ein Wunder, dass ihn die mensche n in Grand Isle noch nicht verdroschen haben.
BP jammert darüber, dass der Konzern nach eigenen Angaben seit der Havarie der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ am 20. April annähernd eine Milliarde Dollar im Kampf gegen das Leck aufwenden musste.
Eine Milliarde Dollar! Hunderte werden folgen müssen, denn BP wird für das Desaster bluten müssen. Lousianas Küste ist tot. Die fischreichsten Gewässer des Landes, für kommerzielle Fischer, Sportangler und die Tourismusbranche, sind vernichtet.
Niemand weiß, was die gigantischen Wolken verdünnten Öls, die im Golf auf einer Fläche von etwa 120.000 Quadratkilometern unter der Wasseroberfläche treiben, für die Nahrungskette und für die Küsten von fünf US-Bundesstaaten am Golf bedeuten. Nach jüngsten Schätzungen der US-Behörden strömen täglich bis zu vier Millionen Liter Rohöl aus der leckgeschlagenen Quelle.
Schon jetzt übertrifft die BP-Ölpest um das Doppelte die ausgetretene Rohölmenge nach der Havarie des Tankers „Exxon Valdez“ 1989 vor der Küste Alaskas. Dort sind die Langzeitfolgen für das Ökosystem wie für die Menschen, die bei den Aufräumarbeiten Öldämpfen und Chemikalien ausgesetzt waren, niederschmetternd.
Es ist erstaunlich, dass bisher weltweit noch keine Grünpartei laut aufgeschrieen hat. Die Öko-Bewegung ist entweder schockstarr oder zahnlos geworden.
