Er war der Dr.Mengele des Pol Pot-Regimes - jetzt muss er für 19 Jahre ins Gefängnis 26,Jul. 2010

Gehört dieser Mann in ein Gefängnis ?

Kaing Guek Eav alias „Duch“ ist jetzt der Prozess gemacht worden. 30 Jahre Haft hat er für den Mord an 12–15.000 Menschen bekommen! Nur 19 davon muss er absitzen.

Der ehemalige Mathematiklehrer hat in einem der berüchtigsten Foltergefängnisse quälen und töten lassen. Er war der Dr.Mengele des Pol Pot-Regimes. Was in Kambodscha damals passiert ist, hat schon nichts mehr mit dem “normalen” kommunistischen Terror zu tun, das liegt ein Level weiter oben auf der Stufe des psychopatischen Massenmordens.

Duch ließ alle Brillenträger seines Volkes ermorden, weil Brillenträger ja zur Intelligenz gehören könnten. Er kannte keine Prozesse, kein Mitleid. Er tat bloss „seine Pflicht“. Richter Nil Nonn sagte, der ehemalige Mathematiklehrer sei zwar ein Kriegsverbrecher. Es gebe aber nicht ausreichend Beweise, dass Duch selbst seine Opfer gefoltert habe. Er habe seine Taten deshalb begangen, weil er entsprechende Befehle erhalten habe. Die Roten Khmer wollten eine ultrakommunistische Agrargesellschaft verwirklichen. Sie herrschten von 1975 bis 1979. In der Zeit kamen 1,7 bis 2 Millionen Menschen um. Nach Krigesende 1079 tauchte er unter. Arbeitete jahrelang als Missionar. Erst 1999 wurde er erkannt und verhaftet.

Duch ist erst 68 Jahre alt. Es ist gut möglich, dass er die Haft überlebt. Ein unerträglicher Gedanke.

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25.000.- Euro hätte ich mit einem Mausklick verdienen können. 07,Jul. 2010

Aus der Traum. Ich habe vor der WM 200.- Euro auf Uruguay als Weltmeister getippt. 25.000.- hätte ich mit diesem Mausklick gewinnen können, doch die Jungs um Diego Forlan haben versagt. Verloren 3:2 gegen die Holländer.

Montevideo, ich komme nicht. Schade.

Rafael Van der Vaart, netter Mittelfeldspieler der Holländer, sagte nach dem Sieg: «Wir haben gekämpft und auch verdient gewonnen. Und wir hatten auch ein bisschen Glück. Wir sind unglaublich zufrieden.» Zu den letzten Minuten nach dem Anschlusstreffer: “Ich habe noch nie so viel Angst in meinem Leben gehabt.”

Tja! Auch ich habe gezittert, aber es sollte nicht sein. Uruguay hat eine gute WM gespielt und eine große Chance verpasst. Ich auch! Leider.

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Ein Mausklick könnte mich reich machen! Ich habe auf Uruguay gesetzt -Fußball-Weltmeister. 03,Jul. 2010

Mit dem finalen Pfiff von Schiedsrichter Olegario Benquerenca aus Portugal war auch meine „Fiesta“ eröffnet. Spieler und Betreuer Uruguays hüpften auf dem Rasen auf und ab, lagen sich nach dem 4:2 im Elfmeterschießen gegen Ghana und dem Einzug in das WM-Halbfinale in den Armen. Ich durfte freudvoll anstossen. Vor fünf Wochen habe ich meinen WM-Tipp abgegeben. 200.- Euro auf Uruguay als Weltmeister. Sensationelle Quote, aber alle hielten mich für verrückt.

Jetzt aber sieht die Welt anders aus. Jeder kennt inzwischen Diego Forlan, den Friulaner. Als er sein Zaubertor schoß befiel Afrika Wehmut, selbst das Vuvuzela-Getöse verstummte für Sekunden. Bye, bye, Afrika. Hallo, Montevideo. Ich musste an Hansi Lang denken: Über Monte Video scheint die Sonne so rot.

In Montevideo spielt die Sonne mit dem Tod. Nach Montevideo lebendig oder tot.

In Montevideo blühen die Rosen so rot.

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Der schwedische Erfolgsautor Henning Mankell über den Sturm der Israelis! 03,Jun. 2010

Übernächtig, unrasiert und mit teils geborgten Klamotten – so haben die Israelis Bestseller-Autor Henning Mankell, 62, in Tel Aviv ins Flugzeug gesteckt und zurück nach Europa geschickt.

Der schwedische Krimiautor war an Bord der Gaza-Hilfsflotte, während israelische Elitesoldaten die Friedensflotte stürmten und zehn Aktivisten töteten.

Henning Mankell ist ein Aktivist.

Er kann Fakten präsentieren, aber auch Fakten mit Ressentiments vermischen. Jetzt redete er in Berlin im großen Saal der Berliner Volksbühne über seine Sicht der Ereignisse, die seit Tagen die Weltpolitik in Atem halten.

Ursprünglich wollte Mankell an diesem Tag seinen neuen Krimi “Der Feind im Schatten. Wallanders letzter Fall” (Top-Bestseller in Österreich) diskutieren. Daraus wurde nichts. Es wurde ein politischer Abend, eine Diskussion über die Aktion „Free Gaza”. dessen prominentester Kopf er ist.

Schon zu Beginn der Diskussion war klar: Jetzt steht der politische Aktivist im Mittelpunkt des Interesses, nicht der Autor!

Und Mankell betonte das auch: Er rede als “Augenzeuge”, sagte er. Er berichte nichts, was er nicht selbst gesehen habe: «Ich lüge nicht“, unterstrich er!

Mankell war an Bord der “Sofia”, eines von sechs Schiffen, das mit Hilfsgütern an Bord den Gaza-Streifen anlaufen wollte. Das erste Schiff war die türkische “Mavi Marmara”. Mankell’s Schiff war etwa eine Seemeile von der „Mavi“ entfernt, als der Sturm losging:

«Ich hatte von Mitternacht bis drei Uhr in der Früh eine ruhige Wache geschoben und mich gerade niedergelegt, als jemand kam und sagte, dass etwas in Gang sei. Sie sahen Hubschrauber, Soldaten, die sich abseilten, hörten Schusssalven. Die Flotte befand sich weit außerhalb der israelischen Territorialgewässer“.

Mankel: “Israels Sturm war Piraterie, das war Kidnapping, das war Mord.”

Kurz nach der „Mavi“ wurde auch seine “Sofia” geentert. «Wir waren alle auf der Brücke, sie sagten, wir sollten runter ins Boot. Wenn sich jemand etwas langsam bewegte, wurde er mit Strompistolen angeschossen, das tut fürchterlich weh“ Und: “ Mit “viel zu viel Gewalt” seien die Festnahmen erfolgt, auch wenn ihm selbst nicht bange war: “Ich wusste, dass sie wussten, wer ich bin”

Dass der Konvoi Waffen mitführte, weist Mankell aufs Schärfste zurück. «Die Israelis können schreien, wie sie wollen: das ist Nonsens.»

Auch auf seinem Schiff habe ein maskierter Soldat behauptet, man habe Waffen gefunden, und sie seien alle “Terroristen”: «Und dann zeigte der Idiot die Waffen vor: meinen Rasierhobel und ein Papiermesser aus der Küche.”

Auch als “Diebe” bezichtigt Mankell die Soldaten, denn er büßte bei der Aktion sein Geld, seine Kreditkarten, sein Handy und seinen Computer ein.”

Mankell gesteht aber auch ein: «Ich habe nicht alles gesehen, ich will auch keine Halbwahrheiten verbreiten. Aber: „Unsere Aktion war ein Akt der Solidarität, um die Seeblockade des palästinensischen Gaza-Streifens zu durchbrechen. Auf meiner kleinen Sofia waren keine Waffen, sondern bloß Zement, Baumaterial und Fertigteile geladen.“

Elf Stunden dauerte dann die Fahrt in den Hafen von Aschdod, wo schließlich einer nach dem anderen abgeführt wurde, gefilmt von Kamerateams der israelischen Armee. Auch dies sei, so Mankell, ein Verstoß gegen die Uno-Völkerrechtskonvention für Kriegsgefangene.

Sämtliche Gefangenen wurden vor die Alternative gestellt: “Entweder Deportation oder Ausweisung.” Als Grund für seine Verhaftung wurde ihm die “illegale Einreise nach Israel” genannt.

Bis heute, sagt Mankell, habe er keine Erklärung dafür, warum die Gaza-Flotte, die einen strikt humanitären Auftrag erfüllen sollte, in internationalen Gewässern und ohne Vorwarnung angegriffen worden sei. «Wenn die Israelis uns hätten stoppen wollen, dann hätten sie an der Seegrenze ihres Hoheitsgebiets auf die Schiffsschrauben zielen können, ganz einfach.» So aber habe sich Israel durch sein “dummes Vorgehen” selbst in die Ecke gestellt.

Im Herbst soll eine neue Friedensflotte starten. Mankell wird wieder dabei sein: „Weil der Kampf für unterdrückte Menschen ein Teil meines Lebens ist“.

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Null-Bock-Horst - Horst Köhler machte Schluß mit deutschen Tugenden - endlich ein Mann mit dicken Eiern! 03,Jun. 2010

Null-Bock-Horst

Der deutsche Bundespräsident Horst Köhler wollte nicht mehr, zeigte dem 82-Millionen-Land den Stinkefinger, ein genialer Schritt.

Endlich machte einer Schluß mit deutschen Tugenden, wie:

Bescheidenheit, Fleiß, Gehorsam, Härte, Ordnungssinn, Pflichtbewusstsein, Selbstverleugnung, Unterordnung, Zurückhaltung!

"Üb' immer Treu und Redlichkeit bis an dein kühles Grab", gilt nicht mehr!

Danke, Horst!

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Hat BP im Golf von Mexiko die Hölle angebohrt? Ja! 30,May. 2010

Was jetzt?

Nach dem Scheitern der Operation „Top Kill“ des Ölkonzerns BP ist für die Amerikaner und Barack Obama die letzte Hoffnung erloschen, das Monsterloch am Meeresgrund rasch zu stopfen.

Hat BP die Hölle angebohrt? Ich denke – ja!

Kürzlich habe ich nachgelesen, wie „Deepwater Horizon“ Chef-Techniker Mike Williams die gewaltige Explosion erlebte, die zum Sinken der Ölplattform führte.

Es ist ein dramatisches Protokoll, das CBS-News uns da lieferte und BILD.de nachdruckte.

Zum Zeitpunkt der Explosion war Williams gerade in einem Workshop, „als plötzlich die Motoren der Bohrinsel aufheulten“, sagte er.„Genau in diesem Moment schoss aus 10 000 Metern Tiefe das Erdgas aus dem Bohrloch über die Verbindungsleitungen in die Generatoren“, erklärte Williams. „Die Motoren liefen auf Hochtouren, das Licht im Raum begann zu flackern.“

Dann drang ohrenbetäubender Lärm aus den Lautsprechern: „Beep, beep, beep, beep.“ Probealarm? „Nein, ich wusste, dass gleich etwas Schlimmes passieren würde.” Denn nicht wie üblich verstummten die Sirenen – diesmal war es ernst, sagte Williams.

„Noch immer heulten die Motoren, dann wurde es von einer Sekunde zur anderen ganz hell im Raum. Es schien, als würden die Lampen explodieren“, schildert der Techniker. „Ich war gerade losgelaufen, um mich an Deck in Sicherheit zubringen, da explodierte der Monitor auf meinem Tisch.“

Williams lief weiter, konnte sich bis an das Deck der Bohrinsel vorkämpfen. Dort schlug ihm Feuer entgegen! Er lief an den Rand der Öl-Plattform und sprang... Williams fiel mehr als 30 Meter tief, mit den Füßen voran. Nach einigen Sekunden landete er in einem Gemisch aus Öl und Wasser. „Alles tat weh, die Haut brannte vor Schmerz“, sagte er. Dann sah Williams, dass das Öl auf dem Meer brannte, er dachte: „Warum bist du nur gesprungen? Du warst trocken, jetzt schwimmst du im Öl. Du musst einfach schwimmen. Ich schwamm, bis ich den Schmerz nicht mehr spürte.“

Der Chef-Techniker hatte Glück, er wurde gerettet und überlebte wie 114 weitere Menschen die Katastrophe auf der Bohrinsel – aber elf seiner Kollegen starben in der Flammen-Hölle.

Das Ganze geschah am 20.April 2010. An diesem Tag hat BP die Hölle angebohrt! Und – US-Präsident Barack Obama endgültig den Messias-Mythos geraubt.

Obama hat in seiner politischen Verantwortung die fahrlässig verursachte Umweltkatastrophe eines Ölkonzerns auszubaden, dessen in den vergangenen Jahren dick aufgetragener grüner Anstrich sich zusehends als Tarnfarbe entpuppt.

BP und all die anderen Ölkonzerne stehen unter mächtigem Druck. Die Ressource Öl wird immer knapper. Die leicht zugänglichen Quellen sind leergepumpt. Deshalb riskieren skrupellose Manager die Förderung unter verantwortungslosen Bedingungen, wie es hier der Fall war.

BP hat 1500 Meter unter dem Meeresspiegel 10.000 Meter tief gebohrt. Öl unter diesen Umständen zu fördern ist schlichter Wahnsinn. Einfach nicht kontrollierbar. Das haben alle gewusst, auch die Behörden. Trotzdem setzen alle noch immer auf die Erforschung irrwitziger Explorationstechnik auslaufender Energieträger.

Obama verströmt nun Weltuntergangsgetöse. Trotzdem lässt er es zu, dass im Golf von Mexiko weitere 3858 Ölplattformen herumschwimmen. Die „Deepwater Horizon“ war bloss eine der kleineren Ungetüme. Weshalb diskutiert keiner die Schließung der restlichen Monster?

Weil 40 Prozent der Spirtversorgung Amerikas aus dieser Region kommen?

BP-Chef Tony Hayward äußerte sich „enttäuscht“ über das Scheitern des Versuchs zu stopfen. Enttäuscht? Hayward und seine Crew sind die Menschen, die unsere Welt versauen! Jetzt ist der gute Mann enttäuscht. Ein Wunder, dass ihn die mensche n in Grand Isle noch nicht verdroschen haben.

BP jammert darüber, dass der Konzern nach eigenen Angaben seit der Havarie der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ am 20. April annähernd eine Milliarde Dollar im Kampf gegen das Leck aufwenden musste.

Eine Milliarde Dollar! Hunderte werden folgen müssen, denn BP wird für das Desaster bluten müssen. Lousianas Küste ist tot. Die fischreichsten Gewässer des Landes, für kommerzielle Fischer, Sportangler und die Tourismusbranche, sind vernichtet.

Niemand weiß, was die gigantischen Wolken verdünnten Öls, die im Golf auf einer Fläche von etwa 120.000 Quadratkilometern unter der Wasseroberfläche treiben, für die Nahrungskette und für die Küsten von fünf US-Bundesstaaten am Golf bedeuten. Nach jüngsten Schätzungen der US-Behörden strömen täglich bis zu vier Millionen Liter Rohöl aus der leckgeschlagenen Quelle.

Schon jetzt übertrifft die BP-Ölpest um das Doppelte die ausgetretene Rohölmenge nach der Havarie des Tankers „Exxon Valdez“ 1989 vor der Küste Alaskas. Dort sind die Langzeitfolgen für das Ökosystem wie für die Menschen, die bei den Aufräumarbeiten Öldämpfen und Chemikalien ausgesetzt waren, niederschmetternd.

Es ist erstaunlich, dass bisher weltweit noch keine Grünpartei laut aufgeschrieen hat. Die Öko-Bewegung ist entweder schockstarr oder zahnlos geworden.

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Über den Austro-Verleger Christian W. Mucha - ein Sittenbild aus Wien 28,May. 2010

Wie ist der Typ bloss drauf? Seit Jahren wettert er in seinen Fachpublikationen gegen einen drohenden Abfluss von leidenschaftlichen Journalisten. Fordert ständig so profane, praxisrelevante Themen wie Recherche und Gegencheck.

Jetzt heiratet der Austro-Verleger Christian W. Mucha seine Verlobte Ekaterina Soboleva in Wien!

Ich möchte Ihnen nicht vorenthalten, welch' eigentümliche Verhaltensregeln der Society-Tiger Mucha den Berichterstattern auferlegt hat.

Der Gockel lässt schreiben:

«In den vergangenen Tagen wurde in der Mucha-Redaktion verstärkt von Journalisten nachgefragt, wann die Hochzeit stattfindet und ob man davon berichten könne.

Diverse Journalisten beendeten das Gespräch nach Nennung von Ort und Termin sehr schnell mit der knappen Bemerkung, sie würden dann vorbeischauen.

Da Mucha die eigene Hochzeit gerne genießen und nicht zum Medienereignis denaturieren möchte, wird ersucht, nachfolgende Punkte zu akzeptieren:

1) Gerne ist jede Journalistin/jeder Journalist zur Mucha-Hochzeit willkommen. Vorausgesetzt, dass Sie sich via Mail unter hochzeit@mucha.at anmelden und von uns akkreditiert wurden. Ohne Akkreditierung können wir Journalisten leider keinen Einlass gewähren.

2) Die Akkreditierung und Einladung gilt nur (soferne Sie sich nicht im Besitz einer gedruckten und an Sie persönlich versandten Einladung befinden), wenn diese vom Mucha-Verlag an Sie rückbestätigt wurde.

3) Die Einladung erfolgt für die Agape zwischen 18.00 und 19.30 Uhr.

4) In diesem Zeitraum mag gerne interviewt, fotografiert oder gefilmt werden.

Wir bitten Sie zu berücksichtigen, dass nach 19.30 Uhr keine Interviews oder Fotos mehr möglich sind. Die Security ist angewiesen, die Einhaltung dieses nachhaltigen Wunsches der Brautleute zu gewährleisten.

Wir sind sicher, dass Sie Verständnis für diese Maßnahmen haben. Denn schließlich wünschen wir alle den Brautleuten, dass sie eine schöne Hochzeit und damit ein privates und gelungenes Fest haben können.

Dass Mucha und seine Braut Verständnis für journalistische Arbeit haben, versteht sich dabei – aufgrund unserer eigenen Medien – von selbst. Dennoch sollten hier Grenzen des Wohlbefindens eingezogen werden.

Herzlichen Dank! Ihre ExtraDienst-Redaktion im Auftrag der Brautleute Mucha.»

Ich finde es herzig, dass Verleger, die keinen gierigen Society-Seitenblick auslassen, ihre eigene Hochzeit nicht zum Medienereignis denaturieren lassen wollen...

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Die "Zeit" verteidigt den Mob, der Bangkoks Zentrum in Schutt und Asche legte. Warum? 21,May. 2010

Es stinkt nach verbranntem Plastik Es ist der Tag danach.''

An der Petchaburi-Straße, die am einstigen Camp der Rothemden-Demonstranten vorbeiführt, abgefackelte Barrikaden. Dahinter das Gerippe vom „World Center“, dem zweitgrößten Einkaufstempel Südostasiens. Der Großteil des Gebäudes steht noch, der südliche Flügel ist teilweise eingestürzt, nur ein zwei Meter großer, goldfarbener Buddhakopf ragt unbeschädigt aus der Ruine.

Stille hängt über dem Platz.Einige junge Soldaten schlendern vorbei, machen Fotos mit ihren Handy-Kameras. Kein Lächeln, keine Freude, es ist ein teurer Sieg. Es wird hunderte Millionen kosten, das Zentrum wieder aufzubauen.

24 Stunden zuvor. Panik, Chaos, Angst, ich saß im Inferno – Bangkok brannte.

Es war Mittwoch, 10.30 Uhr Ortszeit. Rote Zone im Zentrum Bangkoks. Sperrgebiet. Free Fire Zone. Direkt im Hauptquartier der Rothemden. Über mir die Betonsäulen des Skytrains, in Sichtweite die früher exklusivsten Einkaufstempel der Stadt – das Siam Paragon, das World Center, das „zen“. Vor mir eine Zeltstadt mit noch immer Tausenden Menscnen. Junge Männer in Fantasieuniformen. Alte in zerfetzten Hosen und russig schmutzigen Leibchen. Alle hatten sie Flaschen am Hosengurt – Molotow-Cocktails. Keiner hatte mehr ein rotes T-Shirt an. Aus überdimensionalen Lautsprechern dröhnte hörenbetäubende Musik. Hard Rock. Sie sollte wohl aufputschen, Gefechtslärm übertönen. Doch – es nützte nichts. Alle hatten blanke Angst. Es war das letzte Aufgebot der Rothemden.

Seit einer halben Stunde stürmte zu diesem Zeitpunkt die Armee.

50.000 Soldaten und Polizisten rückten vor: „Sie kommen von allen Seiten“, schrieen die Menschen. Jeder wollte weg, doch wohin? Überall wurde geschossen. Es knirschte, krachte, Kugeln pfiffen. Die Barrikaden brannten. Beissender Rauch legte sich wie ein Teppich über des Gebiet, der verbrannte Gummi frass sich in die Lungen. Es fiel schwer zu atmen. Horrormeldungen drangen ins Hauptquartier. An keinem Punkt konnte der Armee etwas entgegengesetzt werden. Die Panzer rollten. Ich traf Dr. Weng Tojirakarn, einen der Führer der „Roten“. 24 Stunden zuvor sagte der Arzt noch zu mir: „Wir werden bis zum Schluß ausharren“. Jetzt sah er um Jahre gealtert aus. Seine Leibwächter stiessen mich zur Seite, er trat gemeinsam mit vier weiteren Anführern auf die große Bühne im Hauptquartier. Weng schwitzte, sein Geschichtsausdruck war panisch, bei jeder Detonation zog er ruckartig seine Schultern hoch. Er hatte Todesangst. Die dröhende Musik hörte auf, er nahm das Mikrofon, schrie mit brechender Stimme: „ Es sind zu viele gestorben. Ich will nicht, dass noch mehr Blut fließt. Wir geben auf. Rettet euch“.

Weng eilte von der Bühne. Huschte in einen schwarzen BMW X5, getönte Scheiben. Rauschte weg. Mit ihm seine Leibwächter. Er und die anderen Anführer liessen ihre Anhänger einfach im Stich, ein feiges, verantwortungsloses Verhalten.

Danach brach die Hölle aus.

Tausende, die auf der Strasse zwischen dem Siam Paragon, dem World-Center und dem Zen, den größten Einkaufszentren Bangkoks, ausgeharrt haben, versuchten wegzukommen. Wie ein Panik-Schwall schob sich die Masse durch den dichten Rauch in Richtung Pathum Wanaram-Tempelanlage – eine neutrale Zone inmitten einer buddhistischen Mönchssiedlung. Während die Armee immer näher rückte, luden Vermummte ihren ganzen Frust gegen „die da oben“ ab.

Blinde Wut!

Zuerst schleuderten sie Steine gegen die Glasfronten der früher exklusiven Einkaufstempel „Zen“ und „Siam Paragon“, „World Center“. Glas zerbarst, Molotow-Cocktails flogen in die mächtigen Auslagen. Das „zen“ ging in Flammen auf, das „World Center“ auch. Wie Ameisen krochen einige in die zerborstenen Schaufenster, raubten noch rasch, was sie an sich raffen konnten. Selbst die Schaufensterpuppen trugen sie weg. Ein bizarres Schauspiel. Hier wurden tausende Arbeitslose, Kleinkriminelle, vom Schicksal Bestrafte für einen fragwürdigen politischen Kampf missbraucht, dachte ich mir.

Ich bin dem Mob gefolgt. Rannte mit anderen Journalisten in die Tempelanlage Pathum Wanaram. BBC, CNN, ABC, Stern, Thai TV – alle Kollegen retteten sich ebenfalls hierher. Der Pathium Wanaram liegt direkt bei der Skytrain-Station Siam.

Die verwucherte Götterwelt liegt versteckt hinter Tempeln und Mönchswohnungen, wo sich ein Gewirr an Gebetshallen, Schreinen und Dschungelriesen öffnet. Früher ein stiller Zauber, mitten in der Stadt, der sich nur nach und nach preisgibt. Nach dem Sturm – das Chaos. Tausende Menschen versuchten in die Tempelanlage zu kommen. Drängen, schieben, wegstoßen. Schüsse, Gewalt, Panik. Kämpfer und Opfer, alle auf einen Haufen.

So enden also Revolutionen. Neun Tote wurde später hier gefunden.

Ein junger Mann sprach mich an. Er hatte meine grüne Armschleife gesehen, die mich als Journalist kennzeichnete: „Hilf‘ mir und meiner Frau“, bat er auf Deutsch, mit oberösterreichischem Dialekt. Wahnsinn. Verrückt. Bangkok brannte und neben mir stand plötzlich ein Thai, der in Linz lebt.

Er heisst Krungsak Krisadee, 35, kam als Zehnjähriger mit seinen Eltern nach Oberösterreich.

Er war beim Bundesheer, jobbt bei der Fernwärme Linz, sagte: „Wir waren auf Heimurlaub, wollten den Rothemden Essen vorbeibringen, jetzt das!“.

Habt ihr nicht mit dem Sturm der Armee gerechnet, fragte ich: „Nein“ sagte er, „das haben wir nicht geglaubt“. Ich konnte Krungsak und seine Frau nicht mitnehmen. Auf jene, die in der Zone gekämpft haben, warten zwei Jahre Haft.

Nach vier Stunden im Hexenkessel, schaffte ich es endlich ein Krankenhaus zu erreichen. Er war leer. Ärzte und Krankenschwestern waren weg. Alle. Im Foyer Polizei. Armee. Sie sahen meine grüne Journalistenschleife. Liessen mich rein. Gerettet. Mit einem Mopedtaxi fuhr ich zu meinem Hotel in der Sukhumvit Road. Ich sah die Börse brennen, einige Banken, Einkaufszentren. Selbst in der Sukhumvit brannten Barrikaden. Guerilla-Trupps hatten sich auf die gesamte Millionen-Metropole ausgedehnt. Das Lächeln der Thais war weg. Eine Tragödie. Einfach unvorstelltbar, was der Mob dieser Stadt angetan hat.

Am nächsten Tag surfte ich im Netz. Stieß auf einen Bericht von Georg Blome, ZEIT-ONLINE. Er schrieb: „Viele Bilder und Berichte aus Bangkok erwecken jetzt einen völlig falschen Eindruck: Als hätten hier in den vergangenen Tagen allgemeines Chaos und Bürgerkrieg gedroht. Richtig ist: Chaos und Bürgerkrieg drohen in Thailand erst jetzt, nachdem Elitesoldaten der thailändischen Armee das Feuer auf zum allergrößten Teil friedliche Demonstranten eröffneten und ihren über Wochen gewaltfreien Protest blutig niederschlugen. Damit hat die thailändische Putschregierung unter Premierminister Abhisit Vejjajiva den Konflikt mit der demokratischen Opposition der Rothemden auf eine Art und Weise brutalisiert, die eine Rückkehr zur Demokratie in Thailand in weite Ferne rückt.“

Und weiter: „Noch am Dienstag dieser Woche konnte man unbehindert durch die behelfsmäßigen Reifen- und Bambusbarrikaden der Demonstranten spazieren. Hinter ihnen campierten Tausende einfacher Bauern aus den Hochburgen der Rothemden im Norden Thailands. Sie hatten ihre Strohmatten, ihre Kochgeräte und ihr Essen mitgebracht. Die Hälfte von ihnen waren Frauen und Kinder. Sie tanzten noch am Tag vor ihrer gewaltsamen Vertreibung zur Volksmusik auf der Bühne, zum Lied ihrer Bewegung: Wir sind die Rothemden, wir wollen Gerechtigkeit, wir wollen Demokratie. Gebt uns Gerechtigkeit und Demokratie!‘, sangen sie..

Doch der größte Teil der internationalen Öffentlichkeit glaubte den Demonstranten nicht. Man sah in ihnen die manipulierte Masse des ehemaligen thailändischen Premierministers Thaksin Shinawatra, der heute im Exil weilt und die Medien gerne mit Mutmaßungen über einen kommenden Guerillakrieg in Thailand bedient.

Lieber Kollege Blome – 90 Prozent der Demonstranten waren von Thaksin gekauft. Männer erhielten 2000.- Baht pro Tag (40.- Euro), Frauen mit Kinder 600.-/Tag (11) Euro. Durch die Besetzung der Einkaufszentren verloren Tausende Angestellte ihren Job. Das Gebiet ist abgefackelt. Früher Glanz, jetzt nur mehr Ruinen. Was war daran friedlich? Hier haben jene, die böse Geister gerufen haben, plötzlich die Gewalt über diese verloren.

Es war die manipulierte Masse des ehemaligen thailändischen Ministerpräsidenten Thaksin, die Teile der Stadt zerstört hat. Niemand anderer. Ich war dabei – und Sie sind offensichtlich im feinen Hotelzimmer gesessen, als der Mob durch die Straßen zog. Oder in Hamburg, direkt neben der Roten Flora.

Hätten Sie nämlich die Zerstörungswut dieser “friedlichen Demonstranten” gesehen – nie hätten Sie solche Zeilen schreiben können.

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Kriegsgebiet Bangkok - als Reporter in der Todeszone! 17,May. 2010

Bangkok. Was ist bloss mit dieser Stadt passiert? Die Freude ist weg, das Unbeschwerte, das Lächeln. Heute Vormittag war ich in der „Roten Zone“ – der schmutzigen, öligen Zeltstadt inmitten von Glaspalästen, in der 5000 „Rothemden“ auf den Sturm der Armee warten. Auf den Heldentod.

Die „Roten“ reden ständig von Kampf, Sieg, Blut und Gerechtigkeit. Was für ein Unsinn.

Vor wenigen Wochen noch herrschte hier pures Leben. Das Siam Paragon, das wahrscheinlich beste Einkaufszentrum Asiens. Das World Center – ein exklusives Markenartikel-Geschäft neben dem anderen. Das Grand Hyatt. Ein perfektes Hotel. Gute Restaurants, Bars, Sicherheit, Stimmung, Lebensgefühl. Darüber schwebte der Skytrain, die Hochbahn, in der man über die Stadt gleiten konnte.

Acht Millionen Euro haben sie hier pro Tag umgesetzt. Heute sind die zehntausenden Angestellten weg, verdienen nichts. Die Hotels sind zu, verbarrikadiert. Der Lumpini-Tower, der mächtige Hochhausturm, ein Tummelplatz für Heckenschützen. Eine Geisterstadt. Das Herzstück Bangkoks ist tot. Kein Strom, kein Wasser, kein Lächeln, keine Freundlichkeit, bloss finstere Gestalten.

Jeder trägt mehrere Molotowcocktails mit sich. Manche haben Schlagstöcke. Dazwischen rollende Garküchen, fliegende Verkäufer, die mir falsche Uhren und noch falschere Handtaschen andrehen wollen. Über dem Ganzen hängt eine Dunstwolke aus Urin, Kot, altem Fett und purer Aggression. Die mobilen Klos, die jetzt neben den Fendi, Gucci und Armani Geschäften stehen, laufen über. Nutzlos.

Ich verspüre keine Angst. Bloss ein ungutes Gefühl.

Alles ist inzwischen völlig vermüllt. Ratten. Kakerlaken. Dazwischen Frauen, die mit ihren Kindern auf Bastmatten liegen. Jeden Moment kann die Armee stürmen und hier liegen Frauen mit ihren Babys herum. Die Thais lieben ihre Kinder. Und jetzt das!

Busse hat die Armee den Frauen Busse zur Verfügung gestellt. Sie sollen sie zum Pathum Tempel bringen. Eine neutrale Zone. 800 Frauen und Alte haben diese Chance zur Flucht aus der Hölle genutzt. Viele Frauen werden aber nicht weggelassen. Auch die Kinder nicht. Das sind lebende Schutzschilde. Auch in Sarajewo haben sie mit dieser Taktik gearbeitet.

Ich verlasse die „Rote Stadt“. An den Barrikaden finstere Gestalten. Keiner hat ein rotes T-Shirt an. Zwischen Barrikaden und Armee 300 Meter Niemandsland. Rennen. Schüsse sind zu hören. Explosionen. Brennde Autoreifen. Ich trage eine grüne Armschleife. Damit bin ich als Reporter erkennbar. Doch sehen das die Scharfschützen der Armee?

Hinter den ersten Armee-Sandsackburgen warten Mopedfahrer in orangen Jacken. Die Zweirad-Taxis. Sie haben längst die Tuck-Tucks abgelöst, die stinkenden und knatternden Zweitakt-Ungetüme. Mein Mopedfahrer bringt mich in die Sukhumvit-Road. Hier ist mein Hotel. Das Landmark. Ein exklusiver Kasten. 31 Stockwerke. 110 Dollar die Nacht. Perfektes Service. Internet. Swimming-Pool. Das Handy funktioniert. Marmorbad.Normalität.

Sie haben mir eine Juniorsuite gegeben. Ohne Aufpreis. Das Hotel ist fast leer. Touristen gibt es keine. In den Bars entlang der Sukhumvit – gähnende Leere. Pat Pong – geschlossen. Die kleinen Geschäfte mit den gefälschten Lacoste-T-Shirts – trostlos. Bässe hämmern aus Go-Go-Bars, Mädchen kreischen. Cowboy-Street. Die sündige Meile. Nur einige wenige Männer mittleren Alters hängen herum – sie geben sich einen anderen Bürgerkrieg. Erste Reihe fußfrei.

Die Freude ist weg aus Bangkok. Es regiert Angst. Eine Tragödie.

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Deutsche müssen schleunigst raus aus Afghanistan - sonst folgt ein Blutbad! 15,Apr. 2010

Denis Diderot, der französische Aufklärer, schrieb in seinen Gedanken zur Interpretation der Natur: „Wenn man einen falschen Weg einschlägt, verirrt man sich um so mehr, je schneller man geht.“

Wieder tote Soldaten!

Die 4300 in Afghanistan stationierten deutschen Soldaten und ihre politischen Leithammel gehen derzeit sehr schnell, zu schnell: „Wir müssen den Einsatz fortführen", sagte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel als Reaktion auf jenen verheerenden Taliban-Angriff, bei dem abermals deutsche Soldaten in der Nähe von Kunduz getötet wurden. Die vier jungen Männer starben bei einem schweren Gefecht mit den Taliban, als ihr Fahrzeug vom Typ Eagle IV.einen Volltreffer bekam.

Erst am Karfreitag wurden drei deutsche Fallschirmjäger in einem Taliban-Hinterhalt getötet, acht Soldaten verletzt.

Raus aus Afghanistan!

Diese Vorfälle zeigen drastisch, in welchem grauslichen Dilemma sich die internationalen Truppen in Afghanistan befinden.

Sie zeigen aber auch, dass es in einem Krieg keine Gewinner geben kann. Mit militärischen Mitteln lässt sich keine Demokratie herbeiführen, schon gar nicht in Afghanistan. Der „saubere Krieg“ ist eine reine Illusion.

Diesen Tragödien werden weitere folgen. Bundeskanzlerin Merkel hätte deshalb auch sagen können: „Es reicht. Dieser neuerliche Vorfall zeigt, dass schleunigst über ein Ende des Afghanistan Einsatzes nachgedacht werden muss. Wir können unsere Frauen und Männer nicht in einen noch blutigeren Krieg hineinhetzen“. 43 deutsche Soldaten sind bisher am Hindukusch gefallen.

Merkel hat es nicht getan. Auch Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sagte es nicht.

Sie wollen einfach nicht zum Ausgangspunkt zurückkehren, zum gezielten Kampf gegen den Terror. Sie wollen Krieg.

Wahrscheinlich, weil sie nie Denis Diderot gelesen haben, der über „den falschen Weg“ meinte: „Die Erschöpfung der Kräfte lässt eine Umkehr nicht zu; die Eitelkeit sträubt sich dagegen, ohne dass man es bemerkt; das hartnäckige Festhalten an den Prinzipien verbreitet über die ganze Umgebung einen falschen Schein, der die Gegenstände entstellt. Man sieht sie nicht mehr, wie sie sind, sondern wie sie sein sollten“. In genau dieser Situation befinden sich die internationalen Truppen nun in Afghanistan.

Milliarden an Hilfsgeldern sind seit dem Sturz der Taliban vor acht Jahren nach Afghanistan geflossen. Das Land ist noch immer eines der ärmsten der Welt. 100.000 internationale Soldaten sind am Hindukusch stationiert. Dennoch ist das Land noch immer eines der gefährlichsten. Nichts hat sich am Hindukusch verbessert. Im Gegenteil – die Lage hat sich stetig verschlechtert. Der strategische Ansatz der NATO geht schlicht an der Realität vorbei, anders kann diese Entwicklung nicht interpretiert werden.

Krieg mit den Neo-Taliban-Mördern.

Längst befindet sich die NATO in einem Guerillakrieg mit den „Neo-Taliban“. Das Land versinkt in einem Gewirr aus islamistischen und nationalistischen Paschtunen, Drogenhändlern, Warlords, Al-Qaida-Terroristen, ausländischen Dschihadisten und religiösen Fundamentalisten. Die Enkel von Osama bin Laden sind längst überall. Und der Großvater des Terror sieht wohl genüsslich zu. Eine Veränderung ihrer Gesellschaft können die Afghanen nur selber vollziehen. Kein Warlord, kein afghanischer Politiker, niemand darf sich in Zukunft mehr auf (zwangsläufige) Fehler der internationalen Truppen ausreden können. Gewalt provoziert stets Gegengewalt. Diese Spirale wird sich nun immer schneller drehen. Am Ende werden die deutschen Soldaten auch auf Frauen und Kinder schiessen müssen, schliesslich gehören lebende Schutzschilde zur Taktik des Untergrundkampfes. Spätestens dann wir keiner mehr den Afghanistan-Einsatz „als reine Stabilisierungsmission mit Aufstandsbekämpfung“ schönreden können. Dann werden deutsche Soldaten als Mörder gebrandmarkt werden. Wer will das?

Blauhelme statt Kampfeinheiten

Man muss dem Feind nicht immer die Stirn bieten. Es gibt auch keinen Auftrag für einen Verteidigungskrieg des Abendlandes in Afghanistan, das wurde uns bloss eingeredet. Deutschland spielt den globalen Sicherheitsdienstleister, weil Washington das so forderte. Ein weiterer Militäreinsatz in der Region hätte bloss dann einen Sinn, würden die Vereinten Nationen das Kommando am Hindukusch übernehmen. Dazu bräuchte die NATO aber eine Exit-Strategie. Und die politische Kraft, einzusehen, dass aus Afghanistan kein demokratischer Staat nach europäischem Vorbild zu machen ist.

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Bank Austria muss 230 Millionen zahlen - das Geld stammt aus der Geheimkasse der DDR. 27,Mar. 2010

Es ist ein Urteil mit weitreichenden Folgen, doch davon spricht in Österreich niemand. Zu sehr erstarrt das Land derzeit in Diskussionen um FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidatin Rosenkranz, Hypo-Alpe-Adria und ORF-Skinheads-Skandal.

Die rote Waschmaschine!

Jetzt aber verfasste ein Gericht in der Schweiz ein Urteil gegen Rudolfine Steindling, genannt die „rote Fini“. Der Richterspruch könnte ein ganz dunkles Kapitel der österreichischen Geschichte wieder ins Rampenlicht rücken.

Rudolfine Steindling war eine der schillerndsten Figuren des facettenreichen OstWest-Handels während des Kalten Krieges. Die frühere Kommunistin und Kommerzialrätin lenkte seit 1978 als Alleingesellschafterin die 1951 in Ost-Berlin gegründete Firma Novum. Die GmbH vermittelte Geschäfte zwischen der DDR und westlichen, meist österreichischen Firmen. Bei ihren Geschäften ließ Steindling sich von westlichen Managern hofieren, die auf Geschäfte mit der DDR hofften, hatte Zugang zu Honecker und duzte sich mit allen früheren österreichischen Bundeskanzlern.

Im Zusammenhang mit der Fahndung nach den Novum-Geldern wurde sie Mitte der 90er Jahre sogar mit internationalem Haftbefehl gesucht. Steindling ist Tochter eines jüdischen Widerstandskämpfers gegen das Nazi-Regime, der den Holocaust überlebt hat.

In den vergangenen Jahren ist die “Rote Fini” völlig in Vergessenheit geraten. Dieses Urteil aber wirft ein mehr als schiefes Licht auf die Rolle Österreichs zu Zeiten des Kalten Krieges. Mehr als 20 Jahre nach dem Zusammenbruch der DDR könnten jetzt aus dem Vermögen der früheren DDR-Staatspartei SED Hunderte Millionen Euro in die neuen deutschen Bundesländer fließen. Ein Schweizer Gericht hat jetzt die Unicreditbank Austria zur Zahlung von 230 Millionen Euro verurteilt.

Wie konnte es dazu kommen?

Zwei Jahrzehnte nach dem Ende der DDR soll die österreichische Bank Austria im Rechtsstreit um verschwundenes SED-Vermögen einen dreistelligen Millionenbetrag an die Bundesrepublik zahlen. Das Obergericht des Kantons Zürich verurteilte die heute zur Unicredit Group gehörende Bank zur Zahlung von mehr als 230 Millionen Euro.

Es handele sich um 128 Millionen Euro nebst Zinsen, die 1992 spurlos von Konten der ehemaligen DDR-Handelsgesellschaft Novum und einer Tochtergesellschaft verschwunden sind. Das Geld muss laut Einigungsvertrag den neuen Ländern zugute kommen.

Der Bank Austria wurde nach eigenen Angaben vorgeworfen, an der “Veruntreuung von Geldern von Unternehmen im ehemaligen Ostdeutschland” beteiligt gewesen zu sein.

Die Treuhandanstalt, die heute Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS) heißt, hatte die Bank Austria schon 1994 verklagt, aber den Prozess verloren. Jetzt korrigierte das Obergericht von Zürich den Urteilsspruch. Deutschland hatte der Bank Austria Beihilfe zur Geldwäsche vorgeworfen. Die Bank Austria kündigte an, in nächster Instanz gegen das Urteil anzukämpfen.

Die damalige Novum-Chefin Rudolfine Steindling soll die Firmen- Millionen von der Österreichischen Länderbank (später Bank Austria) auf etliche neu gegründete Konten bei deren Tochter-Bank in Zürich und wieder zurück überwiesen haben. Anschließend legte sie das Geld anonym an. Es ist bis heute verschwunden. Nach dem Urteil soll die Unicredit nun als neue Besitzerin der Bank Austria das Geld an die neuen Bundesländer überweisen, weil sie nach Ansicht der Richter ihre gesetzliche Sorgfaltspflicht verletzt habe.

Das Urteil vom 25. März ist noch nicht rechtskräftig. Für die Bank Austria sei die Entscheidung “unerwartet” gekommen, erklärte Halama. Konkret werde das Geldinstitut nach Ausfertigung des schriftlichen Urteils das Kassationsgericht des Kantons Zürich sowie das Schweizerische Bundesgericht anrufen, hieß es.

Linke-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch sagte am Samstag in Schwerin: “Das ist eine Geschichte aus dem vorigen Jahrhundert.” Er bezog sich auf die 1992 und 1995 geschlossenen Vergleiche zwischen der Linkspartei-Vorgängerin PDS, deren Bundesschatzmeister Bartsch war, und der Treuhandanstalt. Danach durfte die Partei nur das Vermögen behalten, dass die KPD zu Zeiten der Weimarer Republik besessen hatte. Bartsch betonte zugleich: «Ich finde es gut, wenn Geld den neuen Ländern zur Verfügung gestellt wird.”

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Muammar Gaddafi und der Heilige Krieg! Warum der alternde Fantasieoberst noch immer gefährlich ist! 27,Feb. 2010

Haben Politiker empört aufgeheult, als Libyens Revolutionsführer Muammar Gaddafi kürzlich der Schweiz den Heiligen Krieg erklärt hat?

Ich habe nichts davon bemerkt!

Österreichische, deutsche und alle anderen EU-Politiker sprachen bloss von „ungewöhnlicher“ Wortwahl, nicht mehr.

EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton, die Frau, die auch heute noch keiner kennt, beklagte lediglich den „unglücklichen Zeitpunkt“, den der libysche Revolutionsführer für seinen Dschihad-Aufruf gewählt hat.

Wann wäre denn ein Aufruf zum Massenmord passend, Frau Ashton?

Im Frühling? Im Sommer? Zu Weihnachten? An einem langen Einkaufssamstag?

Man ist geneigt, die Verrückten der Weltpolitik mit Ignoranz zu strafen.

Egal, ob es der Nordkoreaner Kim Jong-il ist, der größenwahnsinnige Venezulaner Hugo Chávez oder Irans Mahmud Ahmadinedschad. Die Weltpolitik nimmt Droh-Freaks scheinbar nicht mehr ernst. Betrachten sie bloss noch als Exzentriker, die sich durch ständige Provokation verbissen an der Macht halten.

Doch – birgt diese Passivität nicht eine unglaubliche Gefahr in sich?

Gaddafi ist und bleibt unberechenbar.

Seit 40 Jahren ist der Fantasieoberst nun an der Macht.

Weder Mao, noch Stalin waren länger im Amt als er. Nur Fidel Castro kann auf eine um zwei Jahre längere Amtszeit zurückblicken, wobei der Begriff Amtszeit eigentlich falsch ist – Gaddafi hat gar keine offizielle Position. Er ist weder gewählter Präsident, noch Parteichef, noch Staatschef. Er ist bloss Oberst, Revolutionsführer. Mächtigster Mann im Staat. Der Einzige, der entscheidet. Das reicht. Bis heute.

Am 1. September 1969 putschte er in Tripolis als blutjunger Hauptmann gegen den ungeliebten und unfähigen König Idriss. Machte kurzen Prozess mit dessen „Weißer Garde“, eine Machtergreifung, die leicht fiel. Gaddafi verkörperte damals jenen Geist islamischen Siegesbewußtseins, jenen revolutionär-religiösen Taumel, der Moslems mitreißt. Sein Habitus strahlte Geheimnisvolles aus, Verwirrendes. Er war ein schöner Mann. Groß, kräftig, ausdrucksvoller Beduinenkopf, sympathische Jugendhaftigkeit, katzenhafter Gang. Sein brennend starrer Blick hatte ständig etwas Gehetztes.

Heute ist Gaddafi ein alternder Exzentriker, ein Politik-Komödiant in schrillen Phantasieuniformen. Die Gesichtshaut lasch, die Lippen hängend, die Augen verquollen, eine Mischung aus Frank Zappa und auftoupierter, alternder Barfrau. Ein Schatten seinerselbst.

Bloss sein schrilles Erscheinungsbild erinnert noch an den Revolutionär von damals, als er versuchte, seine eigene Nation in eine egalitäre, islamische Gesellschaftsform einzuschmelzen. Noch heute wohnt er bei seinen Auslandsreisen im Beduinen-Zelt. Noch heute muss ihm seine ausschließlich weibliche Leibgarde Kamelmilch servieren, täglich frisch eingeflogen aus der Sahara.

Öl und Gas und dennoch kein reiches Land!

Gaddafi brachte seinem Volk keinen Reichtum. Er stattete sein Land lediglich mit nationaler Arroganz aus, doch das reichte nicht zur Führerschaft in der arabischen Welt und in Afrika. Zwar muss in Libyen niemand Hunger leiden, aber der Lebensstandart ist niedrig, Infrastruktur und Löhne sind nicht mit Dubai zu vergleichen. Sein Projekt, aus Libyen (nur sechs Millionen Einwohner) eine geschlossene Vorhut der arabischen und islamischen Wiedergeburt zu machen, ist gescheitert. Und das, obwohl eine Laune der Geologie im tripolitanischen Boden Gaddafi alle erdenklichen Möglichkeiten gegeben hat – Libyen verfügt über immensen Erölreichtum, exportiert fast ebenso viel Öl pro Kopf wie Saudi Arabien.

Gaddafi wuchs in der Sahara auf. Als Kind armer Beduinen. Die Wüste war sein Zuchtmeister, sein Zelt sein Schloß. Als Schüler wurde er mißachtet, vernachlässigt. Hatte kaum Chancen gegen die Söhne wohlhabender und arroganter Feudalherren. Daraus wuchs sein brennendes Bedürfnis nach Macht und sozialer Gleichmacherei, eine Beschreibung, die in Biographien vieler Revolutionäre zu finden ist: „In der Einsamkeit zwischen Sand und Firmament entstand sein fanatisches Verlangen nach Abrechnung mit der korrupten und gottlosen Welt.“, analysiert Gaddafi-Kenner Peter Scholl-Latour.

Mit Terror zum Weltfeind!

Dieses prophetische Sendungsbewusstsein machte Gaddafi zum Motor jeder Form revolutionären Umsturzes. Jahrzehntelang pumpte der Oberst als Spinne im weltweit verzweigten System des Terrors Geld in Tod und Vernichtung. Er finanzierte die moslemischen Terroristen in Mindanao und palästinensische Bomber. Seine Emissäre unterstützten die Mörder der „irisch-Republikanischen-Armee“, die Bomber der ETA, die Killer der RAF in Deutschland, die OPEC-Geiselnehmer in Wien.

Wo immer Blutvergießen entstand, waren Gaddafis Männer nicht weit. So auch am 21. Dezember 1988. Damals schmuggelten libysche Geheimagenten unter Führung von Gaddafi-Agent Abdel Bassit Ali Mohammed al Megrahi eine Höllenmaschine an Bord des PanAm-Jumbos „Maid of the Seas“. 38 Minuten nach dem Start der Maschine mit Ziel New York detonierte die Zeitbombe in 10.000 Meter Höhe über der schottischen Ortschaft Lockerbie. Alle 259 Menschen an Bord sowie elf Bewohner des Marktfleckens kamen bei dem Anschlag ums Leben. Al Megrahi, der Mann, der dieses Inferno ausgelöst hat, wurde erst vor wenigen Monaten in Tripolis frenetisch gefeiert, der Mob gebärdete sich hysterisch, nachdem die Schotten ihn freigelassen haben. Gaddafi begrüßte den Massenmörder mit Bruderkuss. Die Schotten haben ihn nach Hause geschickt, weil er angeblich an Prostatakrebs leidet. Und das schottische Recht im Falle einer todbringenden Erkrankung die Begnadigung eines Verurteilten zulässt.

Gaddafi hätte zumindest damals Pietät gegenüber den Hinterbliebenen zeigen können, doch dazu fehlt ihm bis heute das nötige Gespür. Er empfing al Megrahi wie einen Staatsgast und niemand regte sich sonderlich auf.

Gaddafi und das Geschäft mit der Geiselnahme!

Gaddafi hat nach den Anschlägen von 9/11 öffentlich dem Terror abgeschworen. Ein Mann wie er kann aber seine Gefühle, seine Vergangenheit, nicht auswechseln. Schließlich versteht das Geschäft der Geiselnahme keiner besser als er. Auch heute noch.

Zuerst hielt er jahrelang bulgarische Krankenschwestern fest, weil diese libyschen Kindern absichtlich aidsverseuchte Blutkonserven verabreicht haben. Die Krankenschwestern wurden zum Tode verurteilt, in Straflager geschickt, Psychoterror pur. Zuletzt begnadigte Gaddafi die bedauerswerten Frauen. Er brauchte Handlungsspielraum bei Gesprächen mit der EU und Brüssel ging in die Knie. Jetzt führt Gaddafi die Schweiz vor. Seit fast zwei Jahren sitzen in Tripolis zwei Schweizer Geschäftsleute fest, der Direktor von ABB-Libyen und der Nestle-Generalmanager. Die Verhaftung erfolgte auf Anweisung Gaddafis. Die Geiselnahme ist ein reiner Racheakt gegen Bern.

Was war passiert?

Die Genfer Polizei hatte im Juli 2008 Gaddafis Sohn Hannibal (das fünfte von acht Kindern) festgenommen. Hannibal Gaddafi, ein Raufbold, der schon mehrmals mit der Polizei in Konflikt geraten ist, war damals mit seiner Frau Aline Ghadhafi und seinem dreijährigen Sohn nach Genf gereist, standesgemäß im privaten Airbus. Aline war in der 35. Woche schwanger, sollte in einer Genfer Klinik ihr zweites Kind zur Welt bringen. Das Paar quartierte sich im noblen Hotel „President Wilson“ ein, Crown Suite.

Am 12. Juli wählte eine der Gaddafi-Angestellten von der Suite aus den Polizeinotruf. Die Frau, eine Tunesierin, schilderte unter Tränen, dass sie und der Hausdiener, ein Marokkaner, systematisch von Hannibal Gaddafi mit Gürteln und hölzernen Kleiderbügeln traktiert werden. Auch Faustschläge seien an der Tagesordnung: „Wir werden wie Sklaven gehalten!“ Sie erzählte der Polizei auch, dass Hannibal jeden Abend ausgeht, betrunken zurückkommt und sich heftig mit seiner schwangeren Frau streitet. Die Genfer Polizei stellte Vorführbefehle gegen das Paar aus. Eine Spezialeinheit stürmte die Suite (acht Leibwächter), Hannibal Gaddafi wurde in Handschellen abgeführt, seine hochschwangere Frau ins Spital gebracht. Erst zwei Tage später wurden sie gegen Kaution freigelassen. Revolutions-Führer Gaddafi brachte das so in Rage, dass er einen beispiellosen Rachefeldzug gegen die Schweiz lostrat. Libyen zog seinen Botschafter aus Bern ab, Schweizer Staatsbürger erhielten keine Visa mehr für Libyen, die Öllieferungen in die Schweiz wurden gestoppt, sämtliche Schweizer Konzerne in Libyen mussten ihre Niederlassungen schließen. Das reichte aber noch nicht. Schließlich ließ Gaddafi beiden Schweizer Geschäftsleute in Tripolis festnehmen, als Faustpfand.

Bis die Schweiz sich beim ihm und seinem Sohn entschuldige. Tatsächlich flog auch der Schweizer Bundespräsident Hans-Rudolf Merz nach Tripolis, entschuldigte sich für das Verhalten der Genfer Polizei.

Eine Wahnsinn-Aktion, zumal sie weder mit der Regierung, noch mit dem Schweizer Aussenministerium abgesprochen war.

Ein Kniefall, der zur Frace geriet, zur Gaddafi-Vorführ-Show. Der Wüstensohn ließ den Eidgenossen kalt abblitzen, der Präsident musste ohne Geiseln nach Hause fliegen.

Eine Demütigung der Sonderklasse.

Und nun das Ausrufen des Heiligen Krieges! Was muss der Verrückte eigentlich noch machen, um die Weltgemeinschaft reagieren zu lassen?

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Rassist Bill Clinton über Barack Obama: "Vor Jahren hätte uns der Typ noch Kaffee geholt..." 13,Jan. 2010

Hinlänglich bekannt ist uns allen, dass Hillary und Bill Clinton wenig bis gar nichts von Barack Obama halten. Im Wahlkampf hat Hillary Obama offen bekriegt, gehasst, beschimpft: „Dieser Mann ist eine Worthülse, nicht mehr“, hat sie gesagt.

Nun sorgt ein neues Buch über den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2008 für Kopfschütteln in Washington: „Game Change“ heißt das 400 Seiten starke Werk der New-York-Times-Journalisten Mark Halperin und John Heilemann.

Es ist eine Ansammlung von Dramen der besonderen Art mit einem negativen Höhepunkt.

So soll sich der frühere Präsident Bill Clinton während eines Gesprächs mit Senator Edward Kennedy mehr als bloss abfällig über Barack Obama geäußert haben: „Vor ein paar Jahren hätte der Typ uns noch Kaffee geholt“.

An anderer Stelle soll Clinton Kennedy vorgeworfen haben: „Du unterstützt ihn nur, weil er schwarz ist.“

Schwere rassistische Vorwürfe, die Clinton bisher nicht kommentierte. Senator Kennedy kann nicht mehr befragt werden, er verstarb im vergangenen Jahr an Krebs.

Das Traurige an der Geschichte aber ist – egal, ob Clinton dementiert, oder weiter schweigt. Man traut ihm diesen rassistischen Rülpser zu und das wiegt fast noch schwerer.

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Vor 30 Jahren starb Rudi Dutschke - die Hamburger Journalistin Bettina Röhl erinnert sich. 28,Dec. 2009

Kaum eine Journalistin kannte Rudi Dutschke besser als Bettina Röhl. Vor fünf Jahren schrieb sie in Cicero diesen Artikel über die Legende, ein publizistischer Meilenstein, der nun von der “WELT” nachgedruckt wurde.

Persönliche Erinnerungen an die letzten Tage mit Rudi Dutschke kurz vor Weihnachten 1979

Kurz vor Weihnachten 1979 tauchte Rudi Dutschke bei uns zu Hause in Hamburg auf. Er übernachtete ein paar Tage. Gelegentlich traf ich ihn im Haus. Manchmal plauderte ich mit ihm im Wohnzimmer, wenn Klaus Rainer Röhl, gerade in der Küche verschwunden war. Der liebte es, seine Gäste zu bewirten, und Rudi liebte es, derart versorgt zu sein. Seit 1967 hatte es immer ein freies Bett im Hause Röhl für Rudi Dutschke gegeben. Und wenn’s ihn nach Hamburg verschlug, machte er auch regelmäßig Gebrauch davon.

Wenige Tage zuvor hatte Dutschke seinen Einstieg in die Politik und damit auch eine mögliche Rückkehr nach Deutschland in Bremen besiegelt. Die dortige Bremer grüne Liste hatte am 7. Oktober 1979 als erster Verband den Einzug in ein Landesparlament geschafft, und Dutschke erlebte am 14./15. Dezember die Eröffnungssitzung der Bürgerschaft mit und sollte die Bremer Grünen als deren Delegierter auf der Gründungsveranstaltung der Bundesgrünen am 10. Januar 1980 in Karlsruhe vertreten.

Ich interessierte mich für das, was zu Hause passierte, damals nur am Rande. Die Weihnachtsferien hießen für mich, O.H., Inga, Jessika, Jophi, Thomas und Tobi und viele andere unter einen Hut zu bringen, und es war jeden Tag entweder eine Party oder das Madhouse, das ChaCha oder ein anderes Treffen angesagt.

Wahnsinnig freundlich, revolutionswach, erschöpft!

Das hieß nicht, dass ich mich nicht gerne mit dem, wie immer wahnsinnig freundlichen, revolutionswachen und gleichzeitig erschöpft und müde wirkenden und eher schäbig angezogenen Gast mit den angegrauten Haaren unterhielt. Mir waren auf eine anregende Weise die Grünen daher sehr früh gegenwärtig.

Unsere Kleinfamilie, Klaus Röhl, seine 21-jährige Freundin Regina und wir, seine 17-jährigen Töchter, waren noch mit den letzten Weihnachtsvorbereitungen beschäftigt und so war mein Abschied von Rudi vor allem hektisch. Plötzlich raste er mit Röhl los. Er musste seinen Zug nach Aarhus in Dänemark, wo er mit seiner Familie lebte, erreichen und auf den allerletzten Drücker auch noch die Weihnachtsgeschenke für seine beiden Kinder und seine Frau besorgen. Ich dachte: Das ist wieder mal typisch für diesen permanenten Weltrevolutionär!

Am ersten Weihnachtstag erfuhr ich, dass Rudi am Heiligabend in seiner Badewanne plötzlich gestorben war, vermutlich an den Spätfolgen des Attentats vom April 1968. Mit 39 Jahren.

Betroffen erinnerte ich mich daran, wie er das erste Mal im Herbst 1967 – ich war gerade fünf Jahre alt geworden – zu Besuch kam. Meine Eltern hatten sich gerade ihr Haus in Blankenese gekauft und unterhielten sich gern über die berühmten Hamburger Medienestablishmentpartys, die fast an jedem Wochenende stiegen. Kein berühmter Name bewegte dabei so sehr, dass ich es erinnere. Bis Klaus Röhl seiner Frau Ulrike Meinhof sagte, Rudi Dutschke kommt zu uns. Ich schnappte den Namen auf und merkte sofort, dass beide Eltern sich anders benahmen als sonst. Irgendwie elektrisiert, verunsichert, voller Erwartung.

Ich fieberte mit und war enttäuscht. Da stand ein unrasierter, sehr kleiner Mann in der Tür, der ganz anders aussah, als ihn meine Eltern, die Rudi Dutschke schon vor einiger Zeit kennen gelernt hatten, beschrieben hatten. Unter Volldampf mit Weltbesserung und Befreiungskampf beschäftigt, sprang er dann allerdings mitten ins Gespräch. Hypermotiviert, sportlich, strahlend und permanent dozierend. Ich verstand natürlich nichts.

Hypermotiviert, sportlich, strahlend und permanent dozierend

Beide Eltern waren damals von Dutschke fasziniert. Ulrike Meinhof hielt ihn für einen großen Revolutionär, lauschte seinen Worten gebannt, bewunderte ihn für seine mitreißenden Reden, die sie selber bei ihren häufigen Reisen nach Berlin in einigen, politischen Podiumsdiskussionen miterlebte. Sie sah in ihm einen Weggefährten.

Klaus Röhl, als Typ eher spielerisch und zynisch, war dagegen von dem ungeheuren Ernst, dem Fehlen jeder Ironie in Dutschkes Wesen und Auftritt begeistert. Er wurde zu einem treuen Anhänger von Dutschke, unterstützte dessen Wirken, lieh ihm mit seiner Zeitschrift konkret das erste große Forum für Interviews und Artikel und bezahlte Dutschke gut. Röhl hielt Dutschke für „christusartig“, „ehrlich“ und „vertrauenswürdig“.

Es war eigentlich nur ein gutes Jahr zwischen 1967 und 1968, in dem Dutschke zum unumstrittenen Kopf der so genannten Außerparlamentarischen Opposition aufstieg. Er war der Wortführer gegen den Krieg in Vietnam und rief zur Solidarität mit den Befreiungskämpfen in der Dritten Welt auf. Er plädierte für „direkte Aktionen“ und andere Kampfformen in der westlichen Welt mit dem Ziel, mit Bewusstseinsveränderungen die kapitalistischen Herrschaftsverhältnisse zu sprengen.

Dann das Attentat. Am 11. April 1968 zielt Josef Bachmann auf offener Straße aus nächster Nähe direkt auf Dutschkes Kopf und drückt drei Mal ab. Der Mordversuch an Dutschke, der den Anschlag schwer verletzt überlebt, wird zu einem Eskalationspunkt in der Gewaltbereitschaft der linken Opposition in der Bundesrepublik. Dutschkes eigene Gewaltbereitschaft wurde durch diese Gewalt, die ihm selber widerfuhr ein Stück weit aus dem öffentlichen Dutschke-Bild getilgt.

Ich erlebte in Berlin zweieinhalb Jahre lang die Aufregung der großen Vietnam-Demonstrationen, der Studentenrevolte und das Unterhaken der Demonstranten, den Dauerlauf auf die Barrikaden, das Ho-Tschi-Minh-Schreien persönlich mit. Auch das Drama um die Schüsse auf Rudi Dutschke, seine späteren mühsamen Genesungsversuche – all dies gehörte zu unserem Leben, wurde bei uns zu Hause diskutiert, besprochen, mitgefühlt.

Rudi war hinreißend sympathisch, entwaffnend optimistisch und selber fast kindlich

Seit Anfang der siebziger Jahre sah ich Dutschke in Hamburg wieder, als er uns dann, von Aarhus aus Dänemark kommend, des Öfteren besuchte und wieder mit leuchtenden Augen politisierte.

Zu meiner nicht kirchlichen Konfirmationsfeier im Herbst 1976 an meinem 14. Geburtstag hatte Klaus Röhl viele Verwandte und einige seiner Weggefährten eingeladen, unter anderen auch Dutschke mit seiner Familie. Mein Vater hatte Rudi gebeten, zu meinem Patenonkel zu werden, was er gerne annahm, was ihn freute und was ihm ernst war. Soweit ich mich erinnere, kam dann zu der Feier aber nur Gretchen mit den beiden Kindern Hosea Che und Polly, während er selber wegen irgendwelcher Termine erst ein paar Tage später in Hamburg eintraf und dann erst die Geschenke für meine Schwester und mich – jeweils eine Halskette mit einem Riechfläschchen – überreichte.

Rudi war hinreißend sympathisch, entwaffnend optimistisch und selber fast kindlich, als er zum Ausdruck zu bringen versuchte, dass wir nun ein neues, irgendwie schon etwas erwachsenes Verhältnis haben würden. Er gab den Gesprächen auch mit Kindern oder Jugendlichen, wenn er sich überhaupt interessierte, einen verblüffenden Ernst, der sein Gegenüber in eine besondere Stimmung versetzte.

Dutschke hatte in diesen Jahren bis zu seinem Tod allerdings auch oft etwas an sich, was zum Erbarmen war. Etwas Elendes, Verzweifeltes, Ruheloses und Weltfremdes, was er höchst erfolgreich hinter seiner Revolutionsfassade zu verschließen suchte. Seine Reden hatten etwas Stereotypes. Seine Theorie-Tiraden wurden inhaltlich oft langweilig und ziellos, worüber allerdings seine Demagogik oder sein Charisma, je nach Geschmack des Zuhörers, hinwegtäuschte.

Rudi hatte irgendwie Narrenfreiheit. Die meisten schienen sich selber so viel Rücksicht verordnet zu haben, dass er überall das ideologische Alphatier blieb, wo er auch auftrat. Er war schon damals der berühmte Studentenführer, der einen Kopfschuss überlebt hatte. Er predigte, hielt Hof, tourte durchs Land und füllte Säle, aber vermutlich nur noch mit Vertretern einer kleinen festen Klientel.

Etwas Elendes, Verzweifeltes, Ruheloses und Weltfremdes

Er fand nie zu seiner Form und gesellschaftsbewegenden Wirkung von 1968 zurück, als er in der heißen Phase der so genannten Studentenbewegung, deren erklärter Führer er war, kurzzeitig einen internationalen Ruf erwarb. Er litt. Er promovierte schließlich über Lenin, schrieb Artikel und versuchte seinen eigenen Revolutionsfaden wieder aufzunehmen, was ihm kaum gelang. Auch finanziell ging es ihm bis zuletzt nicht gut. Rudi Dutschke konnte seinen eigenen frühen Ruhm weitaus weniger effizient ausnutzen, als es seine Erben heute tun.

Die Grünen wären vielleicht sein Comeback gewesen. Sie wären unter Umständen seine Bühne geworden, wenn entweder die Grünen sich auf die antikapitalistische Sozialrevolution eingelassen hätten, für die Dutschke steht, oder Dutschke umgekehrt, was er immerhin bereits ausprobierte, zum Anti-AKW-Menschen, zum Öko-Freak, zu einem echten Urgrünen geworden wäre.

Die Grünen hätten für ihn, wie sie es für so viele erfolgreiche und gescheiterte Achtundsechziger und Berufsrevolutionäre aller Couleur waren, eine mögliche Zukunft darstellen können. Der Tod riss ihn aus dieser Perspektive heraus.

( Der Artikel erschien vor fünf Jahren in der Zeitschrift Cicero zu Rudi Dutschkes 25.Todestag)

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Margot Honecker - mein Treffen mit der mächtigsten Frau der DDR. 09,Nov. 2009

Es hilft, sein Leben lang dieselben Gefühle zu bewahren .

  Als ich kurz nach dem Fall der Mauer 1989 aufregt in die DDR reiste, suchte ich nach Feinden. Ich sollte DDR-Politiker und mächtige Kombinatsdirektoren interviewen,die in Bitterfeld, Suhl, Dresden, Halle, Erfurt und Ost-Berlin mit katastrophaler Unternehmenspolitik ein ganzes Volk in den wirtschaftlichen Totalschaden geführt haben.

Ich fand ein Land im Zorn . Die Menschen fühlten sich von Ihrer Führung verschaukelt. Jahrzehnte haben sie geschuftet – damit es den Bonzen gutging. Sie glaubten an die Partei – und wurden hintergangen. Jetzt standen sie vor den Trümmern dieser Misswirtschaft.

Aber sie waren frei .

Nie werde ich den Moment vergessen, als ich im dichten Schneetreiben durch Erfurt irrte. Es roch nach Braunkohle und Zweitaktbenzin. “Hallo, hallo” tönte es lässig-locker aus dem Autoradio, “wir haben jetzt echte Medien, haha, wirkliche Medien”.

Danach spielte “TT64”, atemberaubender Jugendsender des DDR-Radios, einen guten Beitrag über avantgardistische japanische Rockmusik.

Wochen zuvor wäre der Moderator dieser Sendung seiner lockeren Sprüche wegen von der Staatssicherheit verfolgt oder zumindest gefeuert worden. Plötzlich schien alles anders. Die Rasanz und der Galgenhumor, wie im ehemaligen Arbeiter-und Bauernstaat über die Zustände von gestern und die Perspektiven von morgen laut nachgedacht wurde, war atemberaubend: «Hallo, Margot, kannst 'mich hören», sagte der Moderator mit der schrillen Stimme, «in welchem Briefkasten liegt unser Volksvermögen?».   Dann wieder gute Musik, flotte Meldungen. Überall klang eine unglaubliche Erleichterung und Offenheit mit, schnell hatte ich den Eindruck, als hätten die Moderatoren nie anders gesprochen oder sprechen müssen. Dabei war das «früher» gerade einige Momente her- der Mauerdurchburch vom 9.November 1989.

Schlagartig war nichts mehr gleich in diesem 17 Millionen Einwohnerland. Übereinstimmung mit der politischen Führung war nicht mehr das höchste irdische Gut. Selbstbewußtsein und Angst wechselten quasi über Nacht die Besitzer.

Honecker, Stasi, Trabi – alles weg. Was blieb war unglaubliche Euphorie und der Hass und die Welle der Empörung über den Betrug, den Erich und Margot Honecker und ihre Clique jahrzehntelang am Volk durchgezogen haben .

Treffen mit Margot Honecker

Seit damals wollte ich jene Frau treffen, die mehr als Vierteljahrhundert lang – von 1963 bis zum Herbst 1989 – DDR-Volksbildungsministerin war – Margot Honecker (82). Sie war die mächtigste Frau der DDR und gefürchtet, man nannte sie “Lila Drache”. Töpfchendiktatur, Wehrerziehungslager, die Augen stramm nach links und Pionierlieder auf den Lippen – so erinnerten sich die Menschen in der DDR an die “alte Hexe”.

Ich wollte wissen, wie die Alt-Genossin wirklich ist .

Margot Honecker lebt seit 1992 mit ihrer Tochter und zwei Nichten zurückgezogen im Exil in Chile. Versteckt sie sich in Ihrer Wohnanlage in Santiago, lehnt jede Interviewanfrage ab. Ihr Mann starb 1994 ein Leberkrebs.

Durch Zufall erfuhr ich im Juli 2008, dass der Altrevolutionär und Neupräsident Nicaraguas, Daniel Ortega, Margot Honecker einen Orden verleihen wird.

Ortega hatte nicht vergessen, dass Genosse Honecker nach dem Sturz des Diktators Anastasio Somoza seine erste sandinistische Regierung aufopferungsvoll unterstützt hatte. Auch ganz persönlich half Erich Honecker: So stelle er Ortega das Regierungsflugzeug der DDR für Fernreisen nach Osteuropa zur Verfügung, schnell und immer besuchte Ortega dann auch Ost-Berlin.

Als Dank dafür wollte Ortega Erich Honecker posthum den Ruben Diario-Orden (nicaraguanischer Schriftsteller und Diplomat, 1867 bis 1916) verleihen. Margot Honecker sollte den Orden für Ihren Mann aus Ortegas Hand entgegennehmen.

Niemand konnte damals sagen, ob Margot Honecker tatsächlich von Santiago nach Managua reisen werde.

Ich flog dennoch nach Nicaragua. Wollte wissen, weshalb Honecker in Lateinamerika verehrt, beklatscht und gefeiert, während sie in Deutschland auch 20 Jahre nach dem Mauerfall noch immer verhasst und verachtet wird. Ausserdem sollte die Ordensverleihung Margot Honeckers erster öffentlicher Auftritt werden, seit sie 1992 nach Chile geflüchtet war.

Managua kochte an diesem Tag. 34 Grad, extreme Luftfeutigkeit. Im Zentrum der Stadt das Hotel Crowne Plaza, das Regierungshotel. In der gekühlten Lobby entdeckte ich Margot Honecker. Klein, schlank, kurzes weißes Haar, zerfurchtes Gesicht. Sie war gut gelaunt, wirkte kerngesund. Ich ging auf sie zu, sie zuckte zusammmen. Als sie die Kamera sah, fauchte sie: “Nein, kein Interview”, wehrte sie ab. Was solle sie auch zu Deutschland sagen, fragte sie. «Kommen Sie doch zur Ordensverleihung, Sie werden hören, welche Botschaft ich habe ...» Sagte es und verschwandt.

Stunden später, Plaza de la Revolucion .   Zehntausende Menschen tobten vor einer mächtigen blumengeschmückten Bühne. Aus Lautsprechern dröhnte Revolutionsmusik: “Es lebe Nicaragua, es lebe der Sozialismus”, peitschte die rassige Rosario Murillo die Massen ein. Sie ist die Ehefrau des nicaraguanischen Präsidenten Daniel Ortega. Neben Ortega: Venezuelas Präsident Hugo Chavez, der Amerika-Hasser.

** Margot Honecker in der ersten Reihe trug einen weißen Hosenanzug, braunes T-Shirt. Sie sang, winkte, strahlte. Die Hilfe Honeckers sei solidarisch, besonders und liebevoll gewesen, gab Ortegas Frau und Sprecherin Rosario Murillo zum Besten. Und Außenminister Samuel Santos entblödete sich nicht, die Frau eine “lebende Legende” zu nennen.

Da reckte sie wieder ihre Faust! Präsident Ortega ging strahlend auf sie zu, sagte, während er Honecker umarmte: «Ihr Mann war so solidarisch, so besonders, so liebevoll zum freien Volk von Nicaragua. Stellvertretend für ihn überreiche ich ihnen, Senora Margot ', den Orden. "

Die Menge tobte, als Präsident Ortega Margot Honecker den goldenen Orden am blau-weiß-blauen Band an die Brust steckte. Ortega küsste sie links, rechts, links. Dann wurde sie stürmisch von Hugo Chavez umarmt. Ein bizarres Schauspiel. Als hätte es das SED-Schreckensregime und die Toten an der Mauer nie gegeben.

Margot Honecker reckte dankend die geballte Faust, rief mit Tränen in den Augen: “Es lebe die Revolution, es lebe Nicaragua!” Vier Stunden dauerte das Spektakel. Klatschend hielt Margot Honecker bis zur letzten Rede durch. Gegen 21 Uhr kam sie zurück ins Hotel. An der Brust der goldene Orden. Stolz sagte sie zu mir: «Das ist eine Ehrung für jene, die solidarisch waren mit anderen. Es war ein schönes, bewegendes Fest. "

Dann stieg sie lächelnd in den Lift.

Margot Honecker hat nichts gelernt. Sie glaubt noch immer «an die schöne Zeit (...) in unserer DDR». Sie träumt weiter von der Roten Revolution, singt deutsche Kampflieder, ist felsenfest davon überzeugt, dass die Idee der DDR gut gewesen und nur schlecht umgesetzt worden sei.

Für sie war der Fall der Mauer nicht die “Wende”, sondern “Verrat” .

Ich war nicht unglücklich darüber, dass Margot Honecker kein Interview gegeben hat. Ich verließ Managua erleichert, dachte mir – manchmal reicht es, Feinde gesehen zu haben.

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